Schneewittchen als „echte Zicke“

Gelungene Inszenierung des Märchenklassikers an der Höllerer-Realschule

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Auch wenn der bekannte Spruch aus dem Grimm`schen Märchen bereits über 200 Jahre alt ist, spielte der Spiegel in dem aktuellen Theaterstück „Schneewittchen – die ganze Wahrheit“ eine besondere Rolle. Unter der Leitung von Studienrätin Birgit Hautmann führte die Schulspielgruppe diese eine etwas andere Version des Märchenklassikers in der vollbesetzten Aula der Walter-Höllerer-Realschule auf – und kam beim Publikum richtig gut an.

Die Stiefmutter (Lena Zientek) ist nicht die böse, verbitterte und selbstverliebte Person, wie wir sie kennen, sondern liebenswürdig, freundlich und etwas naiv gegenüber Schneewittchen (Rachel Dauenheimer), das in diesem Stück den zickigen Teenager gibt. Schneewittchen hat genug von der mütterlichen und gutherzigen Art ihrer neuen Mutter. Deshalb versucht sie, ihrem Vater (Anna Birner) weiszumachen, die Stiefmutter hätte sie umgebracht und läuft mit ihrem einzigen Freund, der Ratte (Astrid Rupprecht und Kristin Rauch) in den Wald, wo sie auf die sieben Zwerge (Michaela Beer, Franziska Mayer, Angelina Wischnewski, Lena Butz, Daniela Kederer, Alina Lutter, Jessica Weiß)  treffen. Sie wird dort zwar aufgenommen, muss jedoch als Gegenleistung für sie den Haushalt erledigen. Die gutherzige Stiefmutter sorgt sich indessen um Schneewittchen und befürchtet das Schlimmste. Da sie ihrem Zauberspiegel (Ronya Fischer), der die Wahrheit eigentlich kennt, nicht glaubt, gehen beide in den Wald und suchen das Mädchen. Bei der Zwergenhütte werden sie fündig und sie ist überglücklich, Schneewittchen unversehrt anzutreffen.

Schneewittchen ihrerseits ist nicht so angetan von deren Anwesenheit und inszeniert vor den Augen der Zwerge ihr Ableben durch einen Apfel, den die Stiefmutter vergiftet hätte und ihr angeblich gegeben hätte. In Wirklichkeit aber ist der Apfel nicht vergiftet und auch die Stiefmutter hat nichts damit zu tun. So leicht, wie Schneewittchen sich das ausgedacht hatte, kann sie sich nicht mehr aus diesem Dilemma befreien, denn die Zwerge legen sie in einen Glassarg. Der Spiegel, getarnt als Prinz, kauft den geldgierigen Zwergen Schneewittchen ab. Sie rechnet nicht mit einem Trick des Spiegels und der Stiefmutter und öffnet die Augen, da sie glaubt, ihr Vater hätte die Stiefmutter hinrichten lassen.